Zusammenfassung des Musicals:1. Akt Zeit: 1968 Ort: New York City Der "Stamm", eine Gruppe von jungen langhaarigen Hippies, lebt gemeinsam in New York City. Die Mitglieder treten aktiv für Gleichberechtigung und Beendung des Vietnamkriegs ein. Der Eröffnungssong "Aquarius" - ein Lied über das kommende Zeitalter des Wassermanns - drückt die Hoffnung der Jugendlichen auf eine neue Ära ohne Gewalt aus, in der Liebe und Verständnis die Welt regieren. Berger ist wie ein großes Kind und hält nichts von dem patriotischen Amerikabegriff seiner Eltern. Im Lied "Donna" trauert er einem verschwundenen Mädchen nach. Die nächsten 2 Songs , "Hashish" und "Sodomie", zeigen die kindliche Naivität der 60er Jahre im Umgang mit Halluzinogenen sowie eine Hinterfragung mehrerer von den puritanischen Amerikanern als verpönt angesehenen Sexualpraktiken. In "Colored Spade" nimmt Hud, ein Mitglied der Black Panthers, die Rassendiskriminierung in satirischer Weise aufs Korn. Claude, ein Amerikaner polnischer Abstammung, der im Zeichen des Wassermannes geboren ist und lieber in Engländer wäre ( "Manchester, England, England" ), deklariert sich als Aquariusjünger - er bezeichnet sich selbst als bestimmt "zu Genie oder Wahnsinn". Die Lieder "Ain't got no" und "Dead end" kritisieren die restriktive Gesellschaft, die einerseits Minderheiten, andererseits der gesamten Jugend durch andauernde Verbote die Chance auf persönliche Weiterentwicklung raubt. Nun wird Sheila vorgestellt, eine Studentin der New York University, die politisch engagiert ist und immer wieder zu Protestmärschen aufruft. Sie glaubt an die Kraft der Liebe. ( "Sheila Franklin", "I believe in love", "The rally" ) Nach der Friedensdemonstration wird von Jeanie auch das Problem der Umweltverschmutzng angesprochen ("Air"). Die Mädchen der Gruppe (die schwangere Jeanie, Diana und Crissy) symbolisieren die Problematik, die Halluzinogene und freie Liebe mit sich bringen. "Initials" spielt auf Präsident Johnsons Überwachung der Bevölkerung durch FBI und CIA an, in der Johnson (LBJ) entdeckt, dass die ganze Jugend der USA auf einem LSD Trip ist. Die nächste Szene, in der Claudes Eltern ihm seinen Einberufungsbefehl überreichen und von ihm erwarten, dass er voll Patriotismus in den Krieg zieht, zeigt einen typischen Generationskonflikt, in dem jede Seite die Werte der anderen als negativ darstellt. Auf die Frage der Elterngeneration von 1948, was die 1968er Generation so Besonderes hätte, antwortet Claude mit "I got life". Diane kommt nun herein und verkündet, dass sie aus der Schule geflogen sei ("Going down"). In einer symbolischen Konfrontation zwischen einem Schuldirektor und Berger (Schüler sind rebellische langhaarige Gangster, Lehrer sind Spießer, die Gehirnwäsche betreiben) wird auch Berger hinausgeschmissen. Berger und Claude unterhalten sich nun über die Musterung, die Claude bestanden hat, und über die Sinnlosigkeit des Krieges. Claude will nicht in den Krieg ziehen und verbrennt seinen Einberufungsbefehl. In Wirklichkeit war es aber bloß sein Büchereiausweis, den er verbrannt hat, da sein Pflichtbewusstsein doch stärker ist als seine Angst. Auf die Frage aus dem Publikum, ob die Akteure auf der Bühne Hippies wären und warum sie alle lange Haare hätten, antworten Claude und Berger mit "Hair", das mit der Frage endet, warum Maria ihren langhaarigen Sohn Jesus liebte, Claudes Eltern ihren Sohn aber nicht so akzeptieren können, wie er ist. Die amerikanische Ethnologin Margaret Mead drückt nun ihre Überzeugung aus ("My conviction"), dass menschliche Vielseitigkeit die größte Ressource ist, die die Menschheit besitzt, und dass auch eine kleine Gruppe von Menschen die Welt verändern kann. Sheila kommt von einer Demonstration zurück und wird in einer anfänglich scherzhaften Plänkelei mit Berger und Claude, die sie beide liebt, von Berger gekränkt. Crissy singt, wie leicht es ist jemanden zu kränken ("Easy to be hard"). Hud, Woof und Berger zollen nun einen satirischen Tribut an die amerikanische Fahne ("Don't put it down"), in dem sie ihre Liebe zu ihr und zum Patriotismus verkünden. Der Stamm verteilt Einladungen zum großen Be-In. (Das tatsächliche große "Human Be-In" fand am 14.1.1967 in San Francisco statt, als Auftakt des "Summer of Love" 1967. Es war eine Kundgebung, deren Zweck es war die verschiedensten Gruppen zusammenzubringen, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen: Die Beendung des Vietnamkrieges. Die verschiedenen Gruppen waren die militanten Radikalen aus Berkeleys Universitäten und die friedliebenden Hippies aus Haight-Ashburys Künstlerviertel. Aktueller Anlass war die im Oktober 1966 erfolgte Illegalisierung von LSD, und zu den Sprechern gehörten der Poet Allen Ginsberg und der Psychologe und Universitätslehrer Timothy Leary, der die Verwendung psychedelischer Substanzen (u.a. LSD) zur Heilung verhaltensgestörter Personen, aber auch zur Bewusstseinserweiterung psychisch stabiler Menschen befürwortete. Learys bekanntester Slogan war auch bei dieser Kundgebung: "Turn On, Tune In, Drop Out" - auf Deutsch etwa "Verinnerliche Dich um Deine geistigen und genetischen Fähigkeiten zu aktivieren; Sei in Harmonie mit der Welt um Dich herum; Sei Dir Deiner Unabhängigkeit bewusst und verwende sie zu konstruktiver Auswahl und Veränderung." Leider wurde der Ausspruch meistens missverstanden als "Get stoned and abandon all constructive activity" - "Rauch Dich ein und hör auf, irgendetwas Konstruktives zu tun".) Während alle zum Be-In gehen, wartet Crissy immer noch auf "Frank Mills", einen Burschen, den sie erst einmal gesehen hat, in den sie sich aber verliebt hat. Während des "Be-In"s verbrennen alle ihre Einberufungsbefehle, nur Claude ändert seine Meinung und zieht seinen wieder aus dem Feuer heraus. Er ist voller innerer Zweifel, ob er dem Ruf des Vaterlandes oder dem Ruf der "Kinder" folgen soll ("Where do I go"). PAUSE 2. Akt Der Eröffnungssong "Electric Blues" ist wieder ein Beispiel für den Geschmack der verschiedenen Generationen - einerseits die ruhige Musik der Älteren, andererseits die überelektrifizierte Musik der Jugend, die wie eine Explosion aus den wie verchromte Granaten aussehenden Radios dröhnt. Die Massenmedien des elektronischen Zeitalters sind die neuen Geräte zur Gehirnwäsche. Claude kommt vom Rekrutierungszentrum zurück und erzählt, dass er in den Krieg ziehen muss, es aber eigentlich nicht wirklich will. Als Abschiedsgeschenk gibt er Woof ein Poster von Mick Jagger aus seinem eigenen Zimmer. Woof liebt Mick Jagger und meint, er wäre jetzt reich, doch die weißen Mädchen sagen ihm und Hud, dass sie reich wären, weil sie schwarz sind, denn weiße Mädchen lieben schwarze Jungen ("Black Boys"). Als Retourkutsche singen nun die schwarzen Mädchen über die Vorzüge der "White Boys". Alles endet mit einem Bekenntnis zur Vermischung der Rassen ("Mixed Media"). Bevor Claude in den Krieg zieht, wollen alle gemeinsam noch einen Trip erleben ("Walking in space"), Claudes Trip wird aber zu einer Horrorvision von Krieg und Gewalt ("Abie Baby", "Four score", "3-5-0-0") mit dem abschließenden ironischen Lied "What a piece of work is man" . Zwei neutrale Beobachter mokieren sich über die eskalierenden Gewalt mit einem direkten Zitat aus Shakespeares "Hamlet" (2.Akt, 2.Szene): "Welch ein Meisterwerk ist der Mensch! Wie edel durch Vernunft! Wie unbegrenzt an Fähigkeiten! In Gestalt und Bewegung wie bedeutend und wunderwürdig! Im Handeln wie ähnlich einem Engel! Im Begreifen wie ähnlich einem Gott! Die Zierde der Welt! Das Vorbild der Lebendigen!....." Als Claude wieder aufwacht, verfällt er in eine Depression und möchte gerne unsichtbar sein, dann könnte er überall hin und alles tun, statt in dieser verdammten Welt in den Krieg ziehen zu müssen. Zum Abschied wollen sie noch Claudes letzte Nacht alle gemeinsam verbringen ("Good morning starshine", "The bed"). Am nächsten Morgen ist Claude verschwunden, der Stamm kann ihn nicht mehr sehen. Mit dem "Finale" (einem Medley aus "Eyes look your last", "Ain't got no", "Manchester, England, England" und "The flesh failures"), in dem wir Claudes Tod in Vietnam und die um ihn trauernden Freunde sehen, endet "Hair" mit der symbolischen Aufforderung, dass der Mensch in diese düstere Zeit von Krieg und Gewalt die Sonne hereinlassen soll ("Let the sunshine in"), um wieder Licht und Hoffnung in diese Welt zu bringen. |